„Luck is Probability taken personally“ – Über Würfelglück

lucky-dice copyObiges Zitat stammt vom Ami-Comedian Penn Gillette und bedeutet nichts anderes, als dass Glück (in unserem Fall Würfelglück) eine subjektive Sicht auf Wahrscheinlichkeiten ist.

Ich spiele regelmäßig mit den unterschiedlichsten Menschen. Manche von ihnen scheinen vom Würeflpech verfolgt, andere würfeln mich ab und zu im Spiel regelrecht tot. Wieder andere scheinen gar nicht von ihren Würfeln abhängig zu sein und spielen das Spiel einfach runter, als gäbe es sie nicht. Auch wie diese Spieler mit ihren Würfeln umgehen, wie sie sie wahrnehmen, unterscheidet sich stark.

Ohne jetzt besonders esotherisch werden zu wollen, ist es doch so, dass jeder von uns seine eigene Einstellung und Weltanschauung hat. Manche sind eher pessimistisch, andere optimistisch geprägt. Manche sind von Pech überrascht, andere erwarten es bzw. reden es sich regelrecht herbei.

Wenn man das alles nun auf Würfelglück in einem Spiel wie Warmachine Hordes anwendet, treffen subjektive (verfälschte) Wahrnehmungen und Erwartungen auf harte Wahrscheinlichkeiten und Statistik. Die Dissonanz die dabei entsteht, hat im Endeffekt einen nicht zu verachtenden Einfluss darauf, wie man spielt.

„I’m a great believer in luck. The harder I work, the more of it I seem to have.“

Ich persönlich bin eigentlich jemand, der im Spiel ungern Risiken eingeht, auch wenn ich mir gerne mal einen positiven Ausgang einer sehr unwahrscheinlichen Situation im Kopf ausmale. Da ich mich selbst viel zu oft beim „ach, das klappt schon!“ erwischt habe, wollte ich was Würfelglück oder -pech angeht endlich mal Nägel mit Köpfen machen. Also habe ich mir ein festes Set an Regeln aufgestellt, nach dem ich mich seit einigen Spielen richte und die – offen runtergeschrieben – eigentlich absolut einleuchtend und selbstverständlich erscheinen:

do-you-feel-lucky-punk1

1. Spiel so, dass du nur noch unter Schnitt würfeln musst um zu treffen!

Das bedeutet keine Versuche, auf ne 8 oder höher zu treffen. Wenn ich ne 7 brauche und boosten kann, booste ich im Zweifelsfall lieber. Wenn ein Modell/Unit mit MAT/RAT unter 6 keine Möglichkeit hat zu boosten, CMA/CRA zu machen oder anderweitige Buffs zu bekommen, wird sie nicht aufgestellt! (Deshalb bin ich unter anderem noch unschlüssig über die Slingers…)

2. Jeder Versuch, über Schnitt zu würfeln gefährdet die Siegchancen!

Ich werde nur in absoluter Abwesenheit von Alternativen und in höchster Notsituation das Risiko einer niedrigen Wahrscheinlichkeit eingehen. Manchmal muss es ein Hail Mary richten, aber wenn ich mich im normalen Spielverlauf auf Wahrscheinlichkeiten von unter 70% verlasse, während das Spiel noch völlig offen ist, schenke ich dem Gegner Wurf für Wurf den Sieg.

3. Stelle sicher, dass der Grundwert ohne Würfel so nah an der ARM ist wie möglich!

Wenn du mehr als 1 Punkt über die ARM kommen musst, dann macht es keinen Sinn, mit Glück nur 1-2 Platten reinzuhauen. Das sind verschwendete Angriffe. Hohe ARM bekämpft man mit ebenso hoher POW oder P+S.
Ein Nihilator mit P+S12 ist selbst im Charge keine Antwort auf einen ARM21 Avatar, da er im Schnitt 0 Punkte macht.
Ein Cyclops Raider macht mit POW14 gegen ARM21 auch geboostet nur 2 Punkte.
Ein Cataphract Arcuarius mit Fury drauf macht aber im Charge mit P+S15 und Weaponmaster schon 6-7 Punkte.
Ein Titan Gladiator aber macht mit Enrage im Charge ebenfalls 6-7 Punkte, hat aber insgesamt noch bis zu 6 weitere boostbare Angriffe. Was mich zu Punkt 4 führt:

4. Wenn du etwas angreifst, stelle sicher, dass du es neutralisierst.

Rein rechnerisch nimmt der Gladiator mit Enrage drauf einen Avatar nicht aus dem Spiel. Er macht je nach Verteilung der Angriffskäufe oder Schadensboosts zwischen 24 und 26 Punkte Schaden. Das macht nen Avatar sehr kaputt, aber lässt ihn im Zweifelsfall mit bis zu 8 Platten stehen. Committe ich also den Gladiator gegen einen Avatar und hoffe auf Würfelausschläge im Schaden? Eine riskante Entscheidung, denn die Würfel können genauso gut in die andere Richtung ausschlagen und im schlimmsten Fall habe ich dem Avatar sogar noch Systeme heil gelassen…
Also ganz oder gar nicht. In dieser Beispielsituation braucht der Gladiator Unterstützung. Irgendjemand (sei es ein Solo, eine Einheit, oder der Caster selbst) muss bereit stehen, um die restlichen Punkte Schaden zu machen, wenn der Gladiator fertig ist. Und das wichtigste: Das muss ich eingeplant haben, BEVOR der Gladiator überhaupt aktiviert!

5. Sich auf Crits zu verlassen ist genauso effektiv wie Beten.

Der wahrscheinlichste Crit ist bei knapp unter 44%, und das nur mit 3 Würfeln, wenn ich eine Vier brauche. Der Conquest hat Critical Devastation. Mit RAT4 brauchst er aber eine ZEHN um DEF14 überhaupt zu treffen. Das passiert in genau 50% aller Fälle. Mit 3 Würfeln ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Crit dabei nur 26%.
Es gibt sie, diese Situationen in denen man keine andere Option hat das Spiel zu gewinnen als über den Kritischen Effekt irgendeiner Waffe. Um beispielsweise ein Modell aus dem Weg zu slammen, das einen Chargeweg oder LOS blockiert. Um einen gegnerischen Caster einzufrieren. Oder auch um auf 4 Würfeln 4 Sechsen zu legen, um Epic Asphyxious mit dem letzten Schlag des letzten Modells in der Armee zu töten.

Spiele niemals so, dass du diese Würfe BRAUCHST. Wenn sie dann doch kommen, ist es umso geiler. 🙂

6. Sich von Würfeln tilten zu lassen ist dumm, dumm, dumm…

Nein, deine Familie wurde nicht vor 20 Generationen von einer bösen Hexe mit einem Fluch belegt. Nein, es gibt sowas wie „Würfelglück“ oder „Würfelpech“ nicht. Jeder Wurf zählt für sich selbst und keine überirdische Macht hat es auf dich abgesehen. Sobald man aufhört, sich von irgendwas verfolgt zu fühlen, was nicht existiert… hört es auch auf zu existieren. Ich bin mir sehr sicher, dass wenn jeder aus der WMH Szene sich mal nen Tag hinsetzen und jeden seiner  Würfel knapp 300 Mal durchwürfeln und die Ergebnisse statistisch auswerten würde, wir alle auf den ziemlich gleichen Durchschnitt kämen. Ich persönlich habe das mal gemacht, als ich das Gefühl hatte, dass einige meiner alten Würfel extrem in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Dabei kam ich zu einem ziemlich glatten Schnitt, aber es waren auch die erwarteten statistischen Ausschläge dabei. Was das bedeutet hat? Nur, dass ich 16 Euro in nen Satz Kasinowürfel investiert habe, und danach nie wieder daran gedacht habe…

Auf eine einfache Maxime zusammengefasst lässt sich wohl folgende Aussage treffen:

Entferne so viel an Unsicherheit und Wahrscheinlichkeit aus der Gleichung wie du kannst… und bleib cool.

Wie ist eure Einstellung zu Würfeln? Verlasst ihr euch zu sehr auf sie? Seid ihr absolute Pessimisten, rastet ihr bei schlechten Würfeln auch mal aus oder seid ihr cool wie ein Fonzie?

2ea979e16ac117c65e05c369ba34cc1d
EYYYYYYYY!!!

 

6 Comments

  1. Jakob Schulz said:

    Danke für den klasse Artikel. Ich seh das genauso mal gewinnt man durch pures Glück und manchmal verwürfelt man ne sichere Sache, aber im Durchschnitt gewinnt man wenn man sicher spielt

    14.03.2014
    Reply
    • Delaris said:

      Das verwürfeln bleibt aber länger im Gedächtnis. Innerhalb von 4 Spielen 12 mal die 1-1 zu würfeln ist einfach nur bitter. So ist es mir im Januar geschehen.

      14.03.2014
      Reply
  2. Kai Balboa said:

    Beim würfeln herrscht leider auch oft selektive Wahrnehmung. Wenn ich 4W6 werfe und brauche für einen erfolgreichen Wurf eine 2+ werde ich die Würfel nur dann wahr nehmen wenn ich 3 oder 4 mal die 1 Würfel. Würde ich den Würfelwurf absolvieren und 5,6,6,6 erwürfeln würde mir das nicht so lange im Gedächtniss bleiben wie 1,1,1,2.

    17.03.2014
    Reply
    • Hier geht’s natürlich schon stark in Richtung Psychologie. Wir sind von Natur aus alle darauf getrimmt, uns an negative Erfahrungen besser zu erinnern als an positive. Das passiert, damit wir Fehler nicht wiederholen.

      Zu Urzeiten waren das so Fehler wie „och der Säbelzahltiger sieht aber kuschelig aus, ich streichel den mal“. Heutzutage sind es Dinge wie „die gelbe Ampel krieg ich noch…“ 😉

      Es bedarf schon einer sehr bewussten und willkürlichen Anstrengung, diesen „Negativity Bias“ während des Spiels zu unterdrücken und das Gehirn auf tatsächliche Neutralität zu eichen.

      19.03.2014
      Reply
  3. Martin said:

    Schöner Artikel.

    Es gibt m.E. noch einen weiteren Faktor, wie Würfelglück selektiv wahrgenommen wird. Reißt man eine Aktion mit unwahrscheinlichem Erfolg und die klappt, klopft man sich selbst für den Mut oder die Strategie auf die Schulter und nimmt nicht direkt wahr, dass der Erfolg daher kommt, dass die Würfe im Schnitt 8 waren.

    Klappt es dann nicht, sieht man nur das eigene Würfelpech. „Wie kann das sein? Ich habe doch nur eine 8 auf 2w& gebraucht? Das sind doch schon 45%“

    19.03.2014
    Reply

Kommentar verfassen